FM- und DAB+-Versorgung in Tunneln
Das Einfahren in einen Tunnel bedeutet für viele Fahrer: Funksignal weg. Stahlbeton blockiert FM- und DAB+-Signale von außen vollständig. Das ist nicht nur eine Frage des Komforts — im Notfall ist die Kontinuität der Funkkommunikation zu den Fahrzeugen im Tunnel entscheidend für Evakuierung und Rettungskoordination.
Warum Tunnel Funksignale blockieren
Stahlbeton und metallische Strukturen bilden einen Schirm, der einfallende HF-Signale stark dämpft. Für FM (87,5–108 MHz) und DAB+ (174–240 MHz) ist die Eindringtiefe von außen praktisch null: Ohne eine interne Verteilungsanlage ist der Tunnel ab dem ersten Meter eine Totenzone.
Wie das Signal in den Tunnel gelangt
Das Versorgungssystem besteht aus drei Elementen:
- Außenempfangsantenne — empfängt die im Außenbereich verfügbaren FM- und DAB+-Signale.
- Verstärker — empfängt, verstärkt und verteilt das Signal in das Tunnelinnere, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.
- Strahlungskabel (Leckkabel) — führt das Signal durch den gesamten Tunnel und strahlt es gleichmäßig über kontrollierte Schlitze in der Abschirmung ab. Es gewährleistet eine lückenlose Versorgung bei beliebiger Tunnellänge, ohne Abschattungsbereiche.
Das Strahlungskabel wird im oberen Bereich der Tunnelwände oder der Tunneldecke verlegt: geschützt vor dem Verkehr, zugänglich für die Wartung und kompatibel mit den übrigen Tunnelinstallationen (Beleuchtung, Lüftung).
Durchsageunterbrechung für Notfälle: das VBI-System
In modernen Tunneln beschränkt sich die FM/DAB+-Anlage nicht auf die Weiterverteilung des normalen Programmangebots: Sie kann dieses unterbrechen, um Notfallmeldungen an die Fahrzeuge im Tunnel zu übermitteln (Voice Break-In, VBI).
Meldungen höchster Priorität werden automatisch durch Tunnelsensoren ausgelöst (Branddetektion, Verkehrsanomalien) oder manuell von den Betreibern der Leitstelle abgesetzt. Das System überschreibt jede laufende Sendung. Für internationale Tunnel lassen sich mehrsprachige Meldungen konfigurieren.
Meldungstypen:
- Verkehrshinweise (Stau am Ausgang, Ausweichrouten)
- Sicherheitshinweise (Baustellen, stehende Fahrzeuge, widrige Wetterbedingungen)
- Notfälle (Brände, Unfälle, Evakuierungsanweisungen)
Die Lösung TP-DAB
Das TP-DAB ist das Teleproject-System zur FM/DAB+-Weiterverteilung im Tunnelinneren mit VBI-Funktion für Notfallmeldungen an Fahrzeuge. Es integriert sich in das Tunnel-Managementsystem für die automatische Alarmauslösung und erfüllt die normativen Anforderungen für Tunnel des transeuropäischen Netzes.
Normative Grundlagen
Die Richtlinie 2004/54/EG, in Italien umgesetzt durch das D.Lgs. 264/2006, regelt die Sicherheit in Tunneln des transeuropäischen Netzes. Für Tunnel über 1.000 m mit mehr als 2.000 Fahrzeugen pro Spur ist die Funkretransmission für Rettungsdienste verpflichtend. Die Anforderungen umfassen auch Fahrgastinformationssysteme, Pläne für regelmäßige Wartung sowie dokumentierte Funktionsprüfungen.
Wartung und Zuverlässigkeit
Eine Tunnel-Funkversorgungsanlage erfordert:
- regelmäßige Inspektionen der Komponentenintegrität
- Überprüfung der Signalpegel entlang des gesamten Tunnels
- Aktualisierung der VBI-Inhalte und -Logiken bei digitalen Systemen
- planmäßige Wartung von Strahlungskabel und Antennen
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer FM- und einer DAB+-Anlage im Tunnel?
Beide nutzen ein Strahlungskabel, aber DAB+ überträgt digital ein Multiplex mit mehreren Sendern und Datendiensten (Verkehr, Wetter) auf einem einzigen Frequenzblock von 1,536 MHz. FM ist analog und belegt etwa 200 kHz pro Sender. Beide Systeme können häufig über dasselbe Strahlungskabel betrieben werden.
Funktioniert das VBI-System auch dort, wo keine Mobilfunkabdeckung vorhanden ist?
Ja. VBI wirkt auf das intern weiterverteilte FM/DAB+-Signal, unabhängig vom Mobilfunknetz. Notfallmeldungen erreichen die Fahrzeuge auch in Tunneln ohne Mobilfunkversorgung.
Ab welcher Länge ist eine Tunnel-Funkanlage vorgeschrieben?
Die Richtlinie 2004/54/EG (D.Lgs. 264/2006) schreibt die Funkretransmission für Rettungsdienste in Tunneln des transeuropäischen Netzes ab 1.000 m mit mehr als 2.000 Fahrzeugen pro Spur vor. Tunnel geringerer Länge oder außerhalb des TEN-T-Netzes können dennoch den Auflagen der zuständigen Behörden unterliegen.
Kann das Strahlungskabel neben FM und DAB+ auch andere Dienste übertragen?
Ja. Dasselbe Strahlungskabel kann gleichzeitig FM, DAB+, TETRA, DMR, GSM-R und Mobilfunknetze übertragen, sofern die Frequenzen in das Durchlassband des Kabels und der installierten Verstärker fallen.
