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DMR und TETRA: Welcher Standard ist der richtige?

Technischer Vergleich von DMR und TETRA: Architektur, Kosten und Redundanzgrad für die öffentliche Sicherheit, das Militär und Versorgungsnetze — sowie Auswahlkriterien nach Nutzerzahl, Sicherheitsanforderungen und Integration mit IP-Dispatching-Plattformen.

  • 4. Oktober 2024
  • 4 Min. Lesezeit
  • Teleproject

DMR und TETRA: Welcher Standard ist der richtige?

DMR und TETRA sind die beiden meistverbreiteten professionellen digitalen Funkstandards in missionskritischen Bereichen. Beide arbeiten in den VHF- und UHF-Bändern, unterscheiden sich jedoch erheblich in Architektur, Kosten und Redundanzgrad. Die Wahl hängt vom Verkehrsaufkommen, den Sicherheitsanforderungen und der Größe der Organisation ab.

Technischer Vergleich: DMR vs. TETRA

DMR
Frequenzbereich
66–960 MHz
Modulationsverfahren
4FSK
Leistungsklassen
Bis 25 W (Tier III)
Kanalbandbreite
12,5 kHz
Datenrate
9,6 kbps pro Zeitschlitz
Funkversorgung
Größere Reichweite, durch das Gelände begrenzt
Kapazität
Skalierbar auf 2 Zeitschlitze pro Kanal
Interoperabilität
Offener Standard, herstellerübergreifend
Zuverlässigkeit
Hohe Zuverlässigkeit, Redundanz möglich
Kosten
Geringere Kosten, besonders bei kleinen Installationen
Künftige Skalierbarkeit
Ausgezeichnet skalierbar
TETRA
Frequenzbereich
380–470 MHz (BOS); 800 MHz
Modulationsverfahren
π/4 DQPSK
Leistungsklassen
Typisch 1 W – 10 W
Kanalbandbreite
25 kHz
Datenrate
Bis 28,8 kbps pro Kanal
Funkversorgung
Gute Versorgung, für städtische Gebiete optimiert
Kapazität
Unterstützt 4 Zeitschlitze pro Kanal
Interoperabilität
Standardisiert für den BOS-Einsatz
Zuverlässigkeit
Hohe Zuverlässigkeit mit ausgezeichnetem QoS
Kosten
Höhere Kosten, auf den BOS-Einsatz zugeschnitten
Künftige Skalierbarkeit
Sehr gut skalierbar, für große Netze geeignet

Anwendungen nach Sektor

Öffentliche Sicherheit und Einsatzkräfte

TETRA ist der dominante Standard für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in Europa. Der Standard bietet schnellen Gesprächsaufbau, integrierte Verschlüsselung, priorisierte Gruppenanrufe sowie vier TDMA-Zeitschlitze pro Kanal — Eigenschaften, die speziell für die Notfallkommunikation entwickelt wurden.

DMR bedient das professionelle Segment mit geringerem Budget: Zwei TDMA-Zeitschlitze pro Kanal, optionale Verschlüsselung und ein offenes Multi-Hersteller-Ökosystem machen es zur bevorzugten Wahl kleinerer Einsatzkräfte, privater Unternehmensnetze und lokaler Infrastrukturen, die ein zuverlässiges digitales System ohne die Kosten eines dedizierten TETRA-Netzes suchen.

Militär und Verteidigung

Militärische Anwendungen erfordern robuste Verschlüsselung, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit in dicht besiedelten städtischen Umgebungen. TETRA erfüllt diese Anforderungen mit erweiterten Authentifizierungsprotokollen und vollständigem Trunked-Netz-Management. DMR kommt in weniger kritischen taktischen Anwendungen und in Freilandinstallationen zum Einsatz, wo weitreichende Versorgung und geringe Infrastrukturkosten Vorrang haben.

Versorgungsnetze

Für die Verwaltung von Strom-, Gas- und Wassernetzen über große geografische Gebiete ist DMR häufig die erste Wahl: große Versorgungsreichweite, konventionelle oder Trunked-Infrastruktur, niedrige Kosten und ein sehr breites Geräte-Ökosystem. TETRA kommt ins Spiel, wenn das Netz mit Einsatzkräften geteilt wird oder wenn erweiterte Funktionen für das zentrale Management erforderlich sind.

Weiterentwicklung und Integration mit IP-Netzen

DMR Tier III unterstützt Integrationen mit LTE-Netzen und IP-Dispatching-Plattformen. TETRA entwickelt sich mit TEDS (TETRA Enhanced Data Services) zu höheren Datenraten weiter und strebt eine native Integration mit Breitbandnetzen an.

Beide Standards lassen sich in einheitliche Dispatching-Plattformen wie Respondr integrieren, die TETRA-, DMR-, VHF/UHF- und PoC-Funkgeräte in einer einzigen Bedieneroberfläche für den Leitstellenbetrieb zusammenführen können.

Teleproject verfügt über bewährte Erfahrung in der Planung und Integration von TETRA- und DMR-Netzen in heterogenen Umgebungen — von der öffentlichen Sicherheit über Versorgungsnetze bis hin zu kritischen Infrastrukturen und der Verteidigung.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Sind DMR und TETRA miteinander kompatibel?

Nicht direkt: Sie verwenden unterschiedliche Protokolle. Damit DMR- und TETRA-Nutzer miteinander kommunizieren können, ist ein Gateway oder eine einheitliche Dispatching-Plattform erforderlich, die beide Systeme gleichzeitig verwaltet.

Was ist der wesentliche Kostenfaktor, der DMR von TETRA unterscheidet?

Die TETRA-Infrastruktur ist teurer, da sie Netz-Controller und spezifische Lizenzen erfordert. DMR verfügt über ein offeneres Multi-Hersteller-Ökosystem, das sowohl die Gerätekosten als auch die Integrationskosten senkt.

Funktioniert TETRA in Tunneln?

Ja, allerdings ist wie bei jeder anderen Funktechnologie ein Signalverteilungssystem erforderlich — Strahlungskabel oder DAS. Die TETRA-Bänder 380–430 MHz besitzen gute Ausbreitungseigenschaften in eingeschlossenen Umgebungen.

Welchen Standard sollte eine mittelgroße Organisation wählen?

Für Organisationen mit 50–500 Nutzern in einem regionalen Versorgungsgebiet bietet DMR Tier II oder Tier III das beste Verhältnis von Funktionalität zu Kosten. TETRA empfiehlt sich, wenn das Netz mit Einsatzkräften geteilt wird oder wenn die Redundanz- und Sicherheitsanforderungen dem Niveau der öffentlichen Sicherheit entsprechen.

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